Bildungsarbeit

Miteinander und voneinander lernen

8. Oktober 2015

"Das Spannendste waren die Menschen!"

Junge Mitglieder der Kolpingsfamilie berichten über Freiwilligendienste in Indien und Russland

Lina Hülsmann und Lucia Frische
© Kolpingsfamilie Haste / Dodesheide

Am 8. Oktober 2015 hatte die Kolpingsfamilie Haste / Dodesheide zu einem Vortrag ins Johannes-Prassek-Haus eingeladen. Auf dem Programm standen die Erfahrungsberichte zweier junger Gemeindemitglieder, die kürzlich einen Freiwilligendienst im Ausland (FDA) über das Bistum Osnabrück absolviert hatten.

 

Die erste Vortragende, Lina Hülsmann, begrüßte die Zuhörenden in traditionell indischer Kleidung, wie sie die Menschen am Rande des Himalaja Gebirges an der Grenze zu Nepal alltäglich tragen. Sie hat ein knappes Jahr in der Kleinstadt Kalimpong in den Bergen von Darjeeling verbracht, wo sie an der Gandhi Ashram Schule Musik unterrichtet hat. Die Schule, von einem amerikanischen Jesuitenpater gegründet, wird ausschließlich durch Spenden aus der ganzen Welt finanziert. Sie nimmt Schülerinnen und Schüler aus Familien auf, die sich das Schulgeld an den üblichen Privatschulen nicht leisten können. Lina Hülsmann war in der Schule für musikalische Früherziehung und Cellounterricht zuständig. In ihrer Freizeit besuchte sie die Kinder auch mal zu Hause, lernte die Kultur noch besser kennen oder lauschte dem schuleigenen und regional bekannten Orchester bei der Probe. Im Rahmen ihres FDAs hatte sie auch die Möglichkeit, das sehr vielfältige Land mit seinen unterschiedlichen Religionen, die teilweise miteinander gemixt werden, zu bereisen. Unter anderem hat sie typisch indische "prayer flags" - also Gebetsflaggen - mitgebracht, welche die Bitten und Hoffnungen der Menschen vom Wind in die Welt tragen sollen. Sie erzählt von roten Bananen, vom Monsun und durch ihn verursachten Erdrutschen und schwärmt von der indischen Küche. Lina Hülsmann ist sichtlich bewegt und beeindruckt von Land und Leuten und schließt ihren Vortrag mit der Erkenntnis ab: "Das Herz ist das Allerwichtigste."

 

Der zweite Vortrag von Lucia Frische hätte kontrastreicher nicht sein können. Sie hat fast ein Jahr in Sankt Petersburg gelebt, das mit seinen 5 Millionen Menschen die viertgrößte Stadt des Kontinents bildet und sich an prunkvollen Gebäuden, prächtigen Straßen und belebten Plätzen nahezu selbst übertrifft. Sie hat dort für die Caritas gearbeitet, die u.a. ein Zentrum für Menschen mit geistigen Behinderungen und einen Kinderclub für benachteiligte Kinder und Jugendliche betreibt. Lucia Frische hat mit den Besucherinnen und Besuchern der Einrichtungen gespielt, gesungen und gebastelt. Sie präsentiert handbemalte Teller, selbst gefertigte Lederarmbänder und einen wunderschönen Kalender. Neben der Arbeit in der Einrichtung hat sie auch Hausbesuche gemacht und zwei Mädchen und eine Frau, die körperlich und/oder geistig eingeschränkt sind, im Alltag begleitet und unterstützt. Den langen, dunklen und schneereichen Winter hat sie mit neuen Freundinnen, atemberaubender Natur und viel Tee überstanden. Am Ende ihres FDAs nutze Lucia Frische die Gelegenheit für eine weite Reise, die sie über Omsk in Sibirien durch das Altai-Gebirge an der Grenze zu Kasachstan bis zum Baikalsee führte, dem tiefsten, größten und ältesten Süßwassersee der Welt. In einem alten Kleinbus, der keine Sitze mehr hat, lernt sie zusammen mit weiteren Reisenden ein ganz anderes Russland und neue, spannende Menschen kennen.

© Kolpingsfamilie Haste / Dodesheide